Glossar

Die Begriffe des Altreifen- und Recyclinghandels, kurz erklärt.

Zum Buchstaben

Wer in dieser Branche einkauft oder verkauft, stolpert über Abkürzungen, Normen und Verbandsnamen. Hier stehen sie in einer Zeile erklärt – ohne Anspruch auf juristische Vollständigkeit, aber so, dass man mitreden kann.

A

Abfallhierarchie
Rangfolge der Maßnahmen nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz: Vermeidung vor Vorbereitung zur Wiederverwendung, vor Recycling, vor sonstiger Verwertung, vor Beseitigung.
Altreifen
Reifen, die wegen Verschleiß, Alterung oder Beschädigung nicht mehr für ihren ursprünglichen Zweck geeignet sind und damit als Abfall gelten. Englisch: end-of-life tyre, ELT.
Anhang VII
Begleitdokument für Verbringungen von Grünlistenabfällen nach der EU-Abfallverbringungsverordnung. Nennt Versender, Beförderer, Empfänger, Abfallart, Menge und Verwertungsverfahren.
AVV
Abfallverzeichnis-Verordnung. Legt die sechsstelligen Abfallschlüssel fest, mit denen jede Abfallart bezeichnet wird – Altreifen zum Beispiel 16 01 03.

B

Ballen
Durch eine hydraulische Presse verdichteter und gebundener Materialblock. Bei Altreifen die Voraussetzung dafür, dass ein Container bis zur Nutzlast statt nur bis zum Volumen beladen werden kann.
Basler Übereinkommen
Völkerrechtlicher Vertrag zur Kontrolle grenzüberschreitender Abfallverbringungen. Ordnet Abfälle Listen und Codes zu; Altreifen führen den Code B3140.
Beförderungserlaubnis
Behördliche Erlaubnis zum gewerbsmäßigen Sammeln und Befördern von Abfällen.
Bruttogewicht
Gesamtgewicht aus Ladung und Container. Vom Bruttogewicht abzüglich Tara ergibt sich die zulässige Nutzlast.
bvse
Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung. Branchenverband der mittelständischen Recycling- und Entsorgungswirtschaft mit eigenem Fachverband für Reifen und Gummi.

C

Carbon Black
Industrieruß. Füllstoff in der Reifenmischung; aus der Pyrolyse zurückgewonnen heißt er rCB (recovered Carbon Black).

D

Devulkanisation
Verfahren, bei dem die Schwefelbrücken im vulkanisierten Gummi gezielt aufgebrochen werden, um das Material wieder verarbeitbar zu machen.

E

eANV
Elektronisches Abfallnachweisverfahren. Verpflichtendes System zur Dokumentation der Entsorgung nachweispflichtiger Abfälle in Deutschland.
EBS
Ersatzbrennstoff. Deutscher Begriff für aufbereitete, heizwertreiche Fraktionen aus nicht gefährlichen Abfällen; international SRF.
Entsorgungsfachbetrieb
Nach § 56 KrWG zertifizierter Betrieb. Die Zertifizierung wird jährlich überwacht und ist bei vielen Ausschreibungen Voraussetzung.
EN ISO 21640
Norm zur Klassifizierung fester Ersatzbrennstoffe. Bildet Heizwert, Chlor- und Quecksilbergehalt in je fünf Klassen ab; die drei Klassen zusammen ergeben den Klassencode.
Energetische Verwertung
Nutzung des Energieinhalts eines Abfalls durch Verbrennung in einer dafür genehmigten Anlage.
ETRMA
European Tyre & Rubber Manufacturers Association. Europäischer Verband der Reifen- und Kautschukhersteller; veröffentlicht Statistiken zum Altreifenaufkommen.
EuRIC
European Recycling Industries Confederation. Dachverband der europäischen Recyclingwirtschaft.

F

FCL
Full Container Load. Komplettladung, bei der ein Container für eine einzige Sendung genutzt wird.

G

Grünlistenabfall
Abfall, dessen Verbringung zur Verwertung in der Regel nur dem Informationsverfahren unterliegt und keiner vorherigen behördlichen Zustimmung bedarf.
Gummigranulat
Durch Zerkleinerung von Altreifen gewonnenes Gummi in definierter Körnung, nach Abtrennung von Stahl und Textil.
Gummimehl
Feinvermahlenes Gummigranulat. Wird als Füllstoff und Rezepturbestandteil eingesetzt.

H

Heizwert
Energiegehalt eines Brennstoffs je Masseneinheit, meist als unterer Heizwert (Hu) in MJ/kg angegeben. Im internationalen Handel begegnen auch kcal/kg und BTU/lb.
High Cube
Container mit erhöhter Innenhöhe. Erlaubt bei Ballenware häufig eine zusätzliche Lage und damit bessere Auslastung.

I

Incoterms
Internationale Handelsklauseln der ICC. Regeln, wer Transport, Versicherung, Verzollung und Risiko trägt – etwa FCA, FOB, CIF oder DAP.
Informationsverfahren
Vereinfachtes Verfahren für die Verbringung von Grünlistenabfällen zur Verwertung. Die Sendung wird vom Anhang-VII-Dokument begleitet.

K

Karkasse
Das tragende Gerüst eines Reifens. Eine intakte Karkasse mit verbrauchter Lauffläche kann runderneuert werden und ist deshalb deutlich mehr wert als ein Altreifen.
Kreislaufwirtschaft
Wirtschaftsmodell, das Materialien durch Wiederverwendung, Reparatur und Recycling möglichst lange im Kreislauf hält.
KrWG
Kreislaufwirtschaftsgesetz. Zentrales deutsches Abfallgesetz; regelt unter anderem Anzeige- und Erlaubnispflichten für Sammler, Beförderer, Händler und Makler.

M

M+S
Kennzeichnung für Reifen mit Winter- oder Ganzjahreseignung (Mud and Snow). Relevante Sortierkategorie im Gebrauchtreifenhandel.
Materialrecycling
Verwertung, bei der der Werkstoff erhalten bleibt – im Gegensatz zur energetischen Verwertung, bei der er verbrannt wird.

N

Notifizierung
Verfahren der vorherigen schriftlichen Notifizierung und Zustimmung. Alle beteiligten Behörden müssen vor dem Transport zustimmen; zusätzlich sind Sicherheitsleistung und Vertrag nachzuweisen.

P

PAK
Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Stoffgruppe, für die bei Produkten mit Haut- oder Verbraucherkontakt Grenzwerte gelten – relevant für Gummigranulat in Sport- und Spielflächen.
Post-industriell
Abfall aus der Produktion, vor dem Verbrauch. In der Regel sortenreiner und sauberer als Ware aus der Haushaltssammlung.
Post-consumer
Abfall, der nach dem Gebrauch beim Endverbraucher anfällt. Meist heterogener und stärker verunreinigt als post-industrielle Ware.
Profiltiefe
Verbleibende Tiefe des Reifenprofils in Millimetern. Das wichtigste Sortierkriterium beim Handel mit Gebrauchtreifen.
Pyrolyse
Thermochemische Zerlegung von Altreifen unter Sauerstoffausschluss. Liefert Pyrolyseöl, Gas und rückgewonnenen Industrieruß.

R

rCB
Recovered Carbon Black. Aus der Reifenpyrolyse zurückgewonnener Industrieruß, der Primärruß teilweise ersetzen kann.
Runderneuerung
Aufbringen einer neuen Lauffläche auf eine geprüfte Karkasse. Verlängert die Lebensdauer des Reifens erheblich.

S

Schüttdichte
Masse eines losen Schüttguts je Volumeneinheit, meist in kg/m³. Bestimmt zusammen mit dem Stauraumbedarf die Containerauslastung.
Sekundärrohstoff
Rohstoff, der durch Aufbereitung aus Abfall gewonnen wird und Primärrohstoff ersetzt.
Sortenreinheit
Anteil des Zielmaterials an einer Fraktion. Bei Kunststoffen der wichtigste preisbildende Faktor.
SRF
Solid Recovered Fuel. Nach EN ISO 21640 klassifizierter fester Ersatzbrennstoff aus nicht gefährlichen Abfällen.
Stauraumbedarf
Volumen, das eine Tonne Ladung im Schiff beansprucht, angegeben in m³/t. Englisch: stowage factor.
Störstoffe
Fremdbestandteile in einer Fraktion, die die Weiterverarbeitung behindern oder die Spezifikation verletzen.

T

Tara
Eigengewicht des leeren Containers. Bruttogewicht abzüglich Tara ergibt die zulässige Nutzlast.
TDF
Tyre Derived Fuel. Aus Altreifen gewonnener Ersatzbrennstoff, überwiegend für Zement- und Kalköfen.

V

Vulkanisation
Verfahren, bei dem Kautschuk unter Zugabe von Schwefel dauerhaft vernetzt wird. Der Grund, warum Gummi nicht einfach wieder eingeschmolzen werden kann.

Z

ZARE
Initiative zertifizierter Altreifenentsorger. Zusammenschluss von Entsorgungsfachbetrieben im Reifenbereich.
Zementdrehrohrofen
Ofentyp der Zementherstellung. Nimmt Ersatzbrennstoffe auf; der Stahlanteil aus Reifenmaterial wird dabei im Klinker gebunden.

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