Welche Polymere gehandelt werden und woher sie kommen
Kunststoffschrott ist kein Material, sondern eine Sammelbezeichnung für Dutzende von Warenströmen, die sich in Polymer, Herkunft, Handelsform und Verschmutzung unterscheiden. Zwei Ladungen, die beide als Folie verkauft werden, können im Wert weit auseinanderliegen. Wer kauft oder verkauft, sollte deshalb immer vier Angaben zusammen nennen: Polymer, Herkunft, Handelsform und Sortenreinheit.
Die wichtigsten gehandelten Polymere sind Polyethylen in den Varianten LDPE und HDPE, Polypropylen, Polystyrol, PET, ABS und PVC. LLDPE wird meist als eigene Folienqualität geführt, weil sich Stretchfolie im Verhalten von Schrumpffolie unterscheidet. Jedes dieser Polymere hat typische Herkünfte, und die Herkunft sagt oft mehr über die zu erwartende Verschmutzung als der Polymername.
Die Übersicht fasst zusammen, woher die Ströme üblicherweise stammen, in welcher Form sie gehandelt werden und worauf beim Einkauf zu achten ist.
| Polymer | Typische Herkunft | Übliche Handelsform | Worauf es beim Einkauf ankommt |
|---|---|---|---|
| LDPE | Transport- und Schrumpffolie aus Handel und Industrie | Ballen, Mahlgut, Regranulat | Farbtrennung klar, farbig oder gemischt, Druckanteil, Klebereste, Feuchte |
| LLDPE | Stretchfolie von Paletten | Ballen, Mahlgut | Etiketten und Klebeband, Staub von der Palette, Schmelzindex |
| HDPE | Fässer, Kisten, Rohre, Flaschen, Kanister | Ballen, Mahlgut, gewaschene Flakes, Regranulat | Früherer Inhalt der Behälter, Metallgriffe und Dichtungen, Farbmischung |
| PP | Big Bags, Kisten, Stoßfänger, Fasern und Vliese | Ballen, Mahlgut, Flakes, Regranulat | Fremdpolymer aus Nähten und Einlagen, Füllstoffgehalt, Schmelzindexspanne |
| PS und EPS | Verpackungen, Gehäuse, Formteile | Ballen, Briketts, Mahlgut | Volumen und Verdichtung, Schaumanteil, Fremdfarben |
| PET | Flaschen, Schalen, Umreifungsband | Ballen, gewaschene Flakes | Trennung von Flasche und Schale, PVC-Anteil, Farbe, Etiketten- und Klebstoffreste |
| ABS und PC/ABS | Gehäuse aus Elektro- und Fahrzeugteilen | Mahlgut, Regranulat | Beschichtungen und Galvanik, Flammschutzmittel, Farbmischung |
| PVC | Profile, Rohre, Folien, Bodenbeläge | Mahlgut, Regranulat | Getrennt halten: im Mischstrom ist PVC ein Störstoff, kein Wertstoff |
Die Kennziffern 1 bis 7 sind eine Sortierhilfe
Die Zahlen im Dreieck auf Verpackungen, 1 für PET, 2 für HDPE, 3 für PVC, 4 für LDPE, 5 für PP, 6 für PS und 7 für alles Übrige, sind eine Kennzeichnung für die Sortierung. Sie helfen, einen Strom grob zuzuordnen. Als Vertragsgrundlage sind sie ungeeignet.
Der Grund ist einfach: Die Kennziffer nennt das Hauptpolymer, aber nicht den Typ, nicht den Schmelzindex, nicht die Additive, nicht die Farbe und nicht die Verschmutzung. Zwei Ladungen mit der Ziffer 5 können ein Big-Bag-Gewebe mit Polyesternähten und ein Mahlgut aus Spritzgusskisten sein. Für den Verarbeiter sind das zwei verschiedene Rohstoffe.
Besonders unbestimmt ist die Ziffer 7. Sie steht für alles, was nicht in die ersten sechs Gruppen fällt, also für ABS, PC, PA, Verbunde und Mischungen. Eine Ware, die nur als Ziffer 7 angeboten wird, lässt sich ohne weitere Angaben nicht bewerten.
Handelsformen und ihr Einfluss auf den Preis
Die Form, in der ein Kunststoff gehandelt wird, bestimmt den Preis oft ebenso stark wie das Polymer. Jeder Bearbeitungsschritt vom Ballen bis zum Regranulat kostet Energie, Personal und Ausschuss, und jeder Schritt verringert zugleich das Risiko des Käufers.
Wichtig ist, die Handelsform immer zusammen mit ihren eigenen Parametern zu nennen. Ein Mahlgut ohne Korngrößenangabe und ohne Staubanteil ist so unbestimmt wie ein Ballen ohne Gewichtsangabe.
- Ballen: gepresst und unbehandelt. Zu regeln sind Ballengewicht, Ballenmaße, Bindung und Feuchte.
- Mahlgut oder Regrind: zerkleinert und ungewaschen. Zu regeln sind Korngröße über den Siebsatz, Staub- und Feinanteil, Fremdpolymeranteil und Metallreste.
- Flakes: zerkleinert und trocken vorgereinigt. Zu regeln sind Flakegröße, Fremdfarbenanteil und Etikettenreste.
- Gewaschene Flakes: nass gereinigt und getrocknet. Zu regeln sind Restfeuchte, Rückstände aus dem Waschwasser und Geruch.
- Regranulat: aufgeschmolzen, filtriert und granuliert. Zu regeln sind Schmelzindex mit Spanne, Farbe, Filterfeinheit und Anteil ungeschmolzener Partikel.
Sortenreinheit ist eine Kante, keine Rampe
Ein Ballen mit 98 Prozent LDPE und ein Ballen mit 90 Prozent LDPE sind nicht dasselbe Produkt in zwei Qualitätsstufen. Es sind zwei verschiedene Produkte. Der Grund liegt in der Prozesstoleranz des Käufers: Eine Anlage, deren Schmelzefilter auf einen bestimmten Fremdanteil ausgelegt ist, läuft bis zu dieser Grenze stabil und darüber nicht mehr. Der Übergang ist eine Kante, keine Rampe.
Praktisch heißt das: Die Differenz von 8 Prozentpunkten kostet nicht 8 Prozent des Preises. Sie kann den Käuferkreis vollständig wechseln. Material, das für die Folienextrusion zu unrein ist, geht in dickwandige Anwendungen, in Profile oder in die energetische Verwertung, und dort gelten andere Preise.
Deshalb ist eine Angabe zur Sortenreinheit ohne Methode wertlos. Zu vereinbaren ist, wie geprüft wird, im Markt üblich ist eine Handsortierung einer festgelegten Teilprobe mit Auswaage der Fraktionen, und was als Fremdanteil zählt: nur andere Polymere oder auch Papier, Metall und Anhaftungen.
Post-Industrial und Post-Consumer
Post-Industrial bezeichnet Abfälle aus der Produktion und aus dem gewerblichen Umlauf: Anfahrmaterial, Randstreifen, Ausschuss, Transportfolie aus dem Warenlager, gebrauchte Big Bags. Die Herkunft ist bekannt, die Farbe meist einheitlich, die Verschmutzung gering, und der Strom lässt sich bis zur Quelle zurückverfolgen.
Post-Consumer bezeichnet Abfälle nach dem Gebrauch durch Endverbraucher, also Sammelware aus Haushalten und aus dem Handel. Die Herkunft ist gemischt, die Ware ist bedruckt, enthält Etiketten, Verschlüsse und Reste des früheren Inhalts und riecht entsprechend. Dafür sind die Mengen größer und der Einkaufspreis niedriger.
Der Unterschied ist keine Wertung, sondern eine Kostenfrage. Post-Consumer-Ware braucht Waschen, Sortieren, Trocknen und oft eine Geruchsbehandlung, und diese Kosten liegen beim Käufer. Wer solche Ware verkauft, sollte deshalb nicht den Preis von Post-Industrial-Ware erwarten, und wer sie kauft, sollte die Aufbereitungskosten vor dem Gebot rechnen.
Störstoffe und Feuchte
Störstoffe wirken nicht anteilig, sondern über Schwellen. Ein halbes Prozent des falschen Stoffs kann eine Charge unbrauchbar machen, während fünf Prozent eines harmlosen Begleitstoffs nur den Preis drücken.
Feuchte ist ein doppeltes Problem. Sie wird als Gewicht mitbezahlt, und sie stört die Verarbeitung, weil Wasser bei der Extrusion zu Blasen und zu Abbau führt. Ballen, die im Regen gestanden haben, nehmen über die Schnittkanten Wasser auf und trocknen im Container nicht ab. Im warmen Container kondensiert die Feuchte an der Decke und tropft auf die Ware zurück, was Schimmel und Geruch begünstigt.
Die folgende Aufstellung nennt die Störstoffe, die in der Praxis die meisten Reklamationen auslösen, und ihre Wirkung.
- PVC: setzt bei Verarbeitungstemperatur Chlorwasserstoff frei, verfärbt die Schmelze und greift die Anlage an. In einer Polyolefinmischung ist PVC der teuerste Störstoff.
- PET und andere hochschmelzende Polymere: schmelzen im Polyolefinprozess nicht auf und erscheinen als Stippen im Produkt.
- Papier, Etiketten und Klebstoffe: verbrennen, bilden Geruch und Rauch und hinterlassen Rückstände im Filter.
- Metallteile: Griffe, Verschlüsse, Klammern und Drähte beschädigen Mühlen und Schnecken.
- Sand, Erde und Glas: wirken abrasiv und verkürzen die Standzeit von Schnecke und Zylinder.
- Vernetztes Material und Duroplaste: lassen sich nicht aufschmelzen und bleiben als harte Partikel im Produkt.
- Schwarze Einfärbung mit Ruß: wird von der Nahinfrarotsortierung nicht erkannt, weil das Pigment das Licht absorbiert.
Warum die Einfuhrregeln für Kunststoffe strenger sind
Für Kunststoffabfälle gelten engere Regeln als für Altreifen oder Gummi. Grundlage sind die Kunststoffänderungen des Basler Übereinkommens, die seit dem 1. Januar 2021 gelten. Sie haben drei Einträge eingeführt: Y48 für kontrollpflichtige Kunststoffabfälle, A3210 für gefährliche Kunststoffabfälle und B3011 für die Ströme, die weiterhin ohne Notifizierung verbracht werden dürfen. B3011 hat den früheren Eintrag B3010 ersetzt.
Der Kern von B3011 ist eng gefasst. Auf der grünen Liste bleiben nur nahezu sortenreine Kunststoffabfälle, die zum Recycling bestimmt und praktisch frei von Verunreinigungen und anderen Abfallarten sind. Bestimmte Mischungen aus PE, PP und PET sind ebenfalls erfasst, aber nur unter engen Bedingungen. Alles Übrige fällt unter Y48 und braucht das Notifizierungsverfahren mit vorheriger Zustimmung der beteiligten Staaten.
Dazu kommen nationale Regeln der Einfuhrländer. Mehrere Staaten haben eigene Einfuhrverbote, Lizenzsysteme für Importeure und Pflichten zur Vorversandkontrolle eingeführt. Das chinesische Einfuhrverbot ab 2018 hat den Markt umgebaut: Die Ströme haben sich auf andere Regionen verteilt, und die dortigen Behörden haben ihrerseits Kontingente und Kontrollen eingeführt. In der Europäischen Union verbietet die Abfallverbringungsverordnung (EU) 2024/1157 zusätzlich die Ausfuhr von Kunststoffabfällen in Nicht-OECD-Staaten ab dem 21. November 2026.
Praktisch bedeutet das: Die Einstufung muss vor dem Verkauf geklärt sein, nicht vor der Verladung. Sie entscheidet über die Papiere, über den Zeitplan und darüber, ob das Geschäft überhaupt zulässig ist.
Checkliste vor dem ersten Container
Die folgenden Punkte sollten vor der ersten Ladung schriftlich geklärt sein. Sie ersetzen keine Spezifikation, aber sie verhindern die Fälle, in denen sich beide Seiten über verschiedene Waren einig waren.
Wer Kunststoffe regelmäßig kauft oder verkauft, legt diese Punkte einmal fest und arbeitet danach mit einem festen Dokument statt mit Angeboten im Fließtext. Wir klären Einstufung, Spezifikation und Ladeplan bei Anfragen vor der ersten Verladung schriftlich ab.
- Polymer und Typ, bei Bedarf mit Schmelzindexspanne, dazu die Handelsform
- Herkunft: Post-Industrial oder Post-Consumer, und aus welchem Anwendungsbereich
- Sortenreinheit mit Prüfmethode und der Definition, was als Fremdanteil zählt
- Negativliste mit Grenzen: PVC, PET, Metall, Papier, vernetztes Material, schwarze Ware
- Feuchte mit Höchstwert und Messmethode, dazu die Regel für Regenwasser und Kondensat
- Ballengewicht, Ballenmaße, Bindung und Ladeplan je Container
- Abfalleinstufung und Verfahren: grün gelistet nach B3011 oder Notifizierung nach Y48, dazu die Einfuhrbestimmungen des Ziellandes
- Probenahme, Rückstellmuster, Analysezertifikat und die Rechtsfolge bei Abweichung
Häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen Mahlgut und Flakes?
- Die Begriffe werden nicht einheitlich verwendet. Üblich ist: Mahlgut oder Regrind bezeichnet zerkleinertes, ungewaschenes Material, Flakes bezeichnen zerkleinertes und zumindest trocken gereinigtes Material, gewaschene Flakes sind zusätzlich nass gereinigt und getrocknet. Weil die Begriffe schwanken, sollte im Vertrag stehen, was tatsächlich gemacht wurde, und nicht nur der Name.
- Warum will niemand schwarze Kunststoffe?
- Weil die verbreitete Sortiertechnik mit Nahinfrarot auf reflektiertes Licht angewiesen ist. Ruß als Schwarzpigment absorbiert dieses Licht, das Material bleibt für den Sensor unsichtbar und landet im Rest. Schwarze Ware ist deshalb nicht wertlos, aber sie muss getrennt erfasst oder mit anderen Verfahren sortiert werden, und das kostet.
- Lassen sich Mischkunststoffe noch exportieren?
- Das hängt von der Zusammensetzung und vom Zielland ab. Seit Januar 2021 bleiben nur nahezu sortenreine und praktisch saubere Ströme über den Eintrag B3011 auf der grünen Liste. Mischungen fallen in der Regel unter Y48 und damit in das Notifizierungsverfahren. Zusätzlich gelten die Einfuhrregeln des Ziellandes.
- Wie viel Feuchte ist normal?
- Das hängt von Herkunft und Handelsform ab. Im Markt üblich sind vereinbarte Höchstwerte im einstelligen Prozentbereich für Ballen und deutlich niedrigere Werte für Regranulat. Wichtig ist weniger die Zahl als die Festlegung, wie und wann gemessen wird und ob das Gewicht bei Überschreitung korrigiert wird.